Ein Blick in die Vergangenheit kann dir Auskunft darüber geben, welche alten Bedürfnisse schon lange gedeckt werden möchten. Diese unbefriedigten alten Bedürfnisse können sich immer wieder in aktuellen Situationen in Form von Gefühlen, Gedanken und Verhaltensweisen melden. Wie du mithilfe einer dir bekannten Gefühlslage, an diese alten ungestillten Bedürfnisse kommen kannst, zeigen wir dir hier. Dieses Selbstverständnis kann dazu führen, dass du deine Probleme besser verstehst, eventuelle Krisen bewältigen kannst und dich nicht ganz so hilflos fühlst. Dies kann darüber hinaus dazu führen, dass du erst gar nicht mehr auf diese wiederkehrende Probleme stößt.

Du musst verstehen, wie deine Vergangenheit dich beeinflusst

Das, was du gelernt und erfahren hast, prägt dich als Person. Das bedeutet, dass deine Sicht auf die Welt, aktuelle Gefühle, deine Berufswahl, deine Partnerwahl, Hobbies und Probleme, damit etwas zu tun haben, was du als Kind und Heranwachsender erfahren und gelernt hast. Anders ausgedrückt: Die Welt, die du kennst, bastelst du dir aus dem, was du kennst, zusammen. Dies führt dazu, dass du wenn du aktuelle Probleme oder Krisen bewältigen willst, deine Vergangenheit verstehen musst.

krisen bewaeltigen erinnerungen aus vergangenheit

Zur Verdeutlichung nehmen wir mal ein Beispiel zur Hilfe: Du wirst von deinem Partner nach sagen wir 3 Jahren verlassen. Er habe gemerkt, dass er dich nicht mehr liebe.

Je nachdem, wer das jetzt liest, wer du also bist, kommt es zu unterschiedlichen Interpretationen und somit Gefühlen. Die einen fühlen sich betrogen. Andere werden einfach traurig und fühlen sich alleine. Vielleicht wird auch jemand ängstlich, weil zunächst der Gedanke in den Kopf schießt “Was sagen meine Eltern, Freunde,..?!”. Eventuell kommt es auch zu dem Gedanken “Immer ich!”. Und dann gibt es bestimmt noch jemanden der denkt: “Endlich!” und Erleichterung spürt.

Und genau darum geht es hier! Wie reagierst DU in einer starken emotionalen Situation? Welche Gefühle kommen hoch? Welche Gedanken? Wie reagiert dein Körper? Ziehst du dich zurück? Wirst du feindselig? Usw.

Diese Reaktion läuft normalerweise sehr automatisch ab und wird von deinem Autopiloten gesteuert. Deswegen kannst du auch davon ausgehen, dass er mit den Informationen aus deiner Kindheit und Jugendzeit agiert, die ihn und dich hauptsächlich geprägt haben. Und das wiederum kannst du dir zum Nutzen machen! Du kannst eine Brücke in die Vergangenheit schlagen und somit herausfinden, woher diese Reaktion genau kommt. Welches Gefühl hattest du damals in einer ähnlichen Situation? Wodurch war das bedingt und welches Bedürfnis steckte in der Zeit eigentlich dahinter?

Eine kleine Reise in die Vergangenheit

Es geht nun darum, dass du dich nochmal in eine schmerzvolle Erfahrung zurückversetzt. Damit kannst du dann über die entsprechenden Gefühle, die diese Erfahrung in dir auslöst, schauen, wo die Brücke zu deiner Vergangenheit ist, und aktuelle Krisen bewältigen.

Krisen bewältigen eine Brücke in die Vergangenheit schlagen

Vorbereitung:

Nimm dir für diese Übung etwas Zeit und sei an einem Ort, an dem du dich wohlfühlst und ungestört bist.

Beachte:

Wichtig ist, dass du bei der Übung bei deinem Gefühl bleibst und dein Kopf und deine Logik weitestgehend ausgeschalten bleiben. Also Gedanken wie “Warum das denn jetzt?! oder Impulse, es zu verstehen, am besten nicht folgen, sondern voll und ganz bei deinem Gefühl bleiben. Nach der Übung kannst du natürlich gerne darüber reflektieren.

Los geht’s!

  1. Versetze dich also in deine jetzige Krise oder schwierige Situation. Wenn du gerade nicht in einer Krise wie Liebeskummer, Kündigung oder sonstiges bist, erinnere dich an eine ältere. Welche Erfahrung, die du als Erwachsener gemacht hast, war sehr schwierig für dich?
  2. Stelle dir alles ganz genau vor: Was hast du gemacht? Wie hast du reagiert? Wie hast du dich gefühlt? Welche Gedanken sind dir durch den Kopf gegangen? Wie hat sich dein Körper angefühlt? Nimm dir dafür etwas Zeit und erinnere dich nochmal so gut es geht an die Situation zurück. Welches Gefühl stellt sich ein?
  3. Wenn du nun komplett in dem Gefühl bist, frage dich, wie alt du dich gerade fühlst? Ja genau! 🙂 Wie alt fühlst du dich? Nimm die Zahl, die dir als erstes durch den Kopf schießt, und zerdenke sie nicht. Also aus deinem Gefühl heraus und nicht mit Logik ermittelt. Dir wird eine Zahl einfallen und dies wird dir absurd vorkommen. Aber lass dich nicht von den rationalen Gedanken rausbringen.
  4. Diese Zahl und dein Gefühl dienen nun als Hinweis dafür, mit welcher Zeit deiner Kindheit deine aktuelle schwierige Situation, an die du gedacht hast, zusammenhängt. Welche Zeit und Situation wurden also reaktiviert in der Krise als Erwachsener.
  5. Frage dich nun was in diesem Alter vorgefallen ist, was in dir ein Ähnliches Gefühl ausgelöst hat. Fühl dich nochmal in die Situation als Kind ein, zu der dich diese Übung gebracht hat. Das ist nicht immer möglich. Versuche es sonst logisch nachzuvollziehen.

Wenn du das nun geschafft hast, dann bist du in einer Kindheitserinnerung, die in dieser Situation wieder zum Greifen kommt. Sie wurde sozusagen reaktualisiert. Und nun?

  1. Frage dich, was dich damals so emotional gemacht hat. Wo sind die Parallelen zu heute. Und ganz wichtig: Was hättest du damals eigentlich gebraucht? Trost? Eine Umarmung? Zuspruch? Jemand, der für dich da ist? Jemand der dich beruhigt?
  2. Wenn du dir vorstellst, wie du nun als Kind so da bist: Was hättest du dem damaligen Kind, also dir selbst damals als Kind, heute als Erwachsener gegeben? Was hätte dem Kind, dass sich heute meldet, gut getan? Was kannst du ihm Gutes geben?

Es ist deine Verantwortung, dich um deine Bedürfnisse zu kümmern, um so aktuelle Probleme und Krisen bewältigen zu können

Mit Hilfe dieser Übung hast du einen super Hinweis auf deine unterdrückten Gefühl und die entsprechenden Bedürfnisse, die damit im Zusammenhang stehen. Und genau um diese Bedürfnisse geht es. Es ist wichtig, dass du dich ganz genau um diese alten Bedürfnisse kümmerst. Das ist nämlich das, was dir wahrscheinlich dein Leben lang schon fehlt und dich und dein Verhalten lenkt, so dass du immer wieder in Situationen kommst, die diese Bedürfnisse offen legen sollen. Deine Eltern oder andere Bezugspersonen waren aus welchen Gründen auch immer damals nicht in der Lage, sich um diese Bedürfnisse zu kümmern. So war das nun zunächst mal. Wichtig ist zu verstehen, dass du dies nun übernehmen musst.

Krisen bewältigen, deine Verantwortung

Heute bist du erwachsen und trägst die Verantwortung. Deine Eltern werden die Verantwortung nicht mehr übernehmen. Du allein bist nun für dich verantwortlich und musst dich auch emotional gut um dich kümmern. Dazu gehört es diese unangenehme Gefühle zu fühlen und deine Bedürfnisse dahinter zu erkennen und dich entsprechend um dich zu kümmern. Wenn du diese unangenehmen Gefühle zum Krisen bewältigen einfach nur weg haben möchtest (Alkohol, Essen, Sport, Ablenkung,…) und ihnen keinen Platz gewährst, dann erinnere dich daran, wie sich das aus der Sicht von damals angefühlt hätte?!

Deine Aufgabe als Erwachsener ist es, diese alten Bedürfnisse zu erkennen und sich um diese zu kümmern. Die Vorstellung, dass es sich dabei um dein eigenes inneres Kind handelt, auf welches du nun selbst aufpassen musst, hilft einigen Menschen sehr. Die Vorstellung mag lächerlich klingen, aber sie kann dir helfen, dir selbst liebevoll und verständnisvoll zu begegnen. Kitschig! Bah! Aber ja, probiere es aus und lasse uns gerne teilhaben, wie es dir mit der Übung ergangen ist. Hat sie dir beim Krisen bewältigen geholfen? Hast du vielleicht noch Fragen oder sind Schwierigkeiten aufgetaucht? So lass es uns gerne wissen und schreib uns eine Nachricht oder ein Kommentar. Und nun viel Spaß bei der Übung!

Ein Blick in die Vergangenheit hilft dir, deine Probleme besser zu verstehen und dass du erfolgreicher Krisen bewältigen kannst.