Ob du es glaubst oder nicht, aber Glaubenssätze begleiten dich schon dein ganzes Leben. Sie sind Annahmen über dich und die Welt, die du gelernt hast und die dich wahrscheinlich nahezu täglich beeinflussen. Wir haben für dich in diesem Beitrag erklärt, was genau Glaubenssätze sind, wo sie herkommen und was sie für einen Einfluss auf dein tägliches Leben haben.

Was sind Glaubenssätze?

Hinter dem Wort Glaubenssatz verstecken sich Annahmen über die Welt, die du irgendwann in deinem Leben mal gelernt, erfahren und vielleicht sogar immer wieder als richtig empfunden hast. Vielleicht ist es Dir gar nicht so recht bewusst, aber Glaubenssätze begleiten dich immer wieder in deinem alltäglichen Leben. So gut wie jeder Mensch (ab einem bestimmten Alter) hat seinen persönlichen Glaubenssatz oder gleich mehrere davon.Glaubenssätze können verschiedene Formen annehmen. Möglicherweise hast du ein Lebensmotto, dass dich durch bestimmte Situationen leitet oder ganz bewusste Grundüberzeugungen, nach denen du handelst und Ereignisse bewertest.

Letztendlich sind Glaubenssätze Gedanken, die du tief verinnerlicht hast und mit denen du Geschehnisse bewertest und sie einordnest, ohne dass es dir immer bewusst wäre. Quasi ein automatisierter Ablauf deines Autopiloten, der sich teils deinem Bewusstsein entzieht. Diese Gedanken können sich auf dich selber beziehen („Ich muss alles perfekt machen, sonst ist es nichts wert“) oder auf die Welt („Man bekommt im Leben nichts geschenkt“) oder generalisierte Aussagen wie zum Beispiel Sprichwörter sein („Ohne Fleiß kein Preis“).

In diesem Beitrag geht es weniger um die ich-bezogenen Aussagen, welche wir in unserem Beitrag zu den 10 negativen Denkweisen behandelt haben, sondern um die Sprichwörter und Welt-bezogenen Sätze.

glaubenssätze weltkugel

Woher kommen Glaubenssätze?

Die Sätze, die dich maßgeblich beeinflussen, hast du in der Regel schon sehr früh verinnerlicht. Du kannst sie sie von deinen Eltern – oder anderen Personen, zu denen du aufgeblickt oder mit denen du viel Zeit verbracht hast – übernommen haben, ohne dass dir das bewusst war.

In meiner Kindheit schwirrte zum Beispiel der Satz „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ viel um mich herum. Wer im Rheinland aufgewachsen ist, dem ist bestimmt der Satz „Et hätt noch immer jot jejange“ vertraut. In letzter Zeit begegnet einem immer wieder der Satz „Keep calm and carry on“. Die Beispiele sind hier gerade etwas Sprichwort-lastig – es gibt aber auch welche die nicht als Sprichwort bekannt sind.

Schau doch einmal, ob dir ganz spontan auch etwas einfällt, was dich schon lange begleitet. Oder was dich nicht persönlich begleitet, du aber vielleicht von anderen Menschen kennst.. „Man bekommt im Leben nichts geschenkt!“, „Gute Miene zum Bösen Spiel machen“ – Du siehst, einmal angefangen kann sich eine ordentliche Liste ergeben.

Wie dich Glaubenssätze beeinflussen

Glaubenssätze können dich auf verschiedene Art und Weise beeinflussen. Schauen wir uns mal einige der bisherigen Beispiele an. Und lass uns den Einfluss in zwei Teile unterscheiden. Erstmal was passiert „auf den ersten Blick“ und dann nochmal die Erklärung, was mit einem zweiten, “hinterfragenderen Blick“ passiert. Dabei spielt natürlich auch viel Persönliches mit hinein und du wirst oder kannst vielleicht nicht immer zustimmen. Das ist aber kein Problem, dann schau doch einfach mal für dich, wo du eine andere Meinung hast und wie es dann bei dir aussieht.

Der Spruch mit dem schmerzfreien Indianer, der von Eltern zum Beispiel hingefallenen Kindern tröstend entgegengebracht wird, soll in der Regel auch einen tröstenden Effekt haben.

Die Kölsche Frohnatur, die fest daran glaubt, dass am Ende immer alles gut gehen wird, beruhigt sich möglicherweise in schwierigen Situationen, um die Hoffnung nicht aufzugeben. Oder im Kleineren gedacht, einfach um bessere Stimmung zu erlangen.

Ohne Fleiß kein Preis, ein Spruch, den man spontan einem ambitionierten Menschen zuordnen mag, der versucht sich zur Arbeit und mehr Einsatz anzuspornen.

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Alles erst einmal schön und gut so.

Potentiell zu hinterfragen ist das Ganze, wenn die Glaubenssätze unsere Gedanken und somit letztendlich auch unser Handeln völlig automatisiert und starr beeinflussen.

Was das genau bedeutet? Automatisiert bedeutet, dass die Sätze, ohne dass du sie überlegt und aktiv hervorrufst, dich in bestimmte Situationen leiten. Dies kann dann so aussehen, dass dir der Satz dabei auch bewusst in den Kopf kommt, oder eben nicht, aber dein Verhalten sich trotzdem darauf stürzt.

Starr heißt in diesem Fall, dass diese Sätze dich leiten, ohne dass sie flexibel oder variabel sind. Der Satz oder Gedanke ist quasi in Stein gemeißelt. Du bist nun also beim zweiten, hinterfragenden Blick angekommen.

Ein Glaubenssatz oder Lebensmotto kann in vielen Situationen sehr hilfreich sein. Auch dass du teilweise automatisch von diesen geleitet wirst, bringt viel Gutes mit sich. So musst du zum Beispiel deine Energie nicht aktiv für diese Prozesse verwenden, da sie eben automatisch geschehen. In manchen Situationen ist das aber leider nicht mehr passend. Da machen sie dir das Leben schwerer und nehmen dir die Möglichkeit, gute oder neue Erfahrungen zu machen.

Zurück zum Beispiel mit dem Indianer: Angenommen es geht dir nicht gut (seelisch oder körperlich) und du ignorierst das (…du kennst ja keinen Schmerz) und machst dein Ding weiter, dann tust du dir damit nichts Gutes. Natürlich kann es in bestimmten Situation angebracht sein, zum Beispiel mitten in einem Vorstellungsgespräch. In anderen Situationen, beispielsweise zu Hause, kann es sinnvoll sein, diesen Satz einmal zu hinterfragen und nicht über deinen Schmerz hinweg zu gehen, sondern innezuhalten, den Schmerz wahrzunehmen und zu schauen, was du brauchst. Vielleicht ist ja auch jemand da, dem du dich mitteilen kannst und dadurch auch noch zur Unterstützung Zuwendung von jemandem bekommst.

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Auch ein auf den ersten Blick durchaus positiver Glaubenssatz wie das Beispiel, dass im Rheinland am Ende immer alles gut geht, kann und sollte manchmal hinterfragt werden. Eine Falle bei all den “Optimismus-Sätzen” kann nämlich sein, dass du mit gutem Glauben in einer Situation verharrst, die dir eben nicht gut tut. Und das, obwohl du diese Situation eigentlich ändern könntest, beziehungsweise, aus der du dich eigentlich hinaus begeben könntest – es aber nicht tust. Weil am Ende funktioniert das schon oder?

Du siehst also, Glaubenssätze können einerseits hilfreich sein, aber auch hinderlich.

Wie gehst du nun mit Glaubenssätzen um?

Vielleicht fragst du dich, was du jetzt mit dieser Erkenntnis anfangen sollst? Zuerst einmal ist das eine gute Frage. Vielleicht hast du ja im Laufe des Beitrags schon eigene Glaubenssätze oder ein Lebensmotto identifizieren können. Wenn nicht, dann hoffen wir, dass dir der Beitrag vielleicht dabei hilft, eine gewisse Aufmerksamkeit dafür zu entwickeln, sodass dir möglicherweise morgen unter der Dusche ein Glaubenssatz einfällt.

Es geht in erster Linie nur darum, dir ein Bewusstsein über deine Glaubenssätze zu schaffen und diese eben ab und zu auch mal zu hinterfragen. Frage dich doch beim nächsten Mal, wenn dir ein Glaubenssatz auffällt, ob er in dieser Situation wirklich hilfreich ist oder ob er dich eher an etwas hindert. Vielleicht möchtest du ihn flexibler gestalten oder dir einen Alternativsatz überlegen, auch das ist möglich. In Bezug auf die Beispiele wären Alternativen: “Es ist okay, wenn es mir einmal nicht so gut geht.”, “Es kann noch gut gehen, aber ich muss es auch nicht abwarten, wenn ich nicht möchte”.

Wenn du dich mehr mit dem Thema beschäftigen und du die verschiedenen Facetten von dir selbst entdecken und verstehen willst, dann solltest du dir unbedingt unseren Online Kurs „Sei dein eigener Experte“ ansehen. Dieser Kurs soll dir helfen, dich selbst besser zu verstehen, damit du dein Leben freier und deinen Bedürfnissen entsprechend gestalten kannst.

 

Wir haben für dich in diesem Beitrag erklärt, was genau Glaubenssätze sind, wo sie herkommen und was sie für einen Einfluss auf dein tägliches Leben haben.